Micron Document
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<title>Anitta</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Anitta</span></h1>
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<p><b>Anitta</b> war ein frühanatolischer Herrscher von <a href="K%C3%BCltepe" title="Kültepe">Kaniš-Neša</a> um 1730 v.&nbsp;Chr. (<a href="Chronologien_der_altorientalischen_Geschichtsschreibung" title="Chronologien der altorientalischen Geschichtsschreibung">mittlere Chronologie</a>), der teilweise als erster <a href="Hethiter" title="Hethiter">hethitischer</a> Großkönig betrachtet wird.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zeugnisse">Zeugnisse</h2></div>
<p>Als wichtigstes Zeugnis gilt der sogenannte Anitta-Text (<a href="Catalogue_des_Textes_Hittites" title="Catalogue des Textes Hittites">CTH</a> 1) aus dem 16. Jh. v.&nbsp;Chr., der in <a href="Hethitische_Sprache" title="Hethitische Sprache">althethitischer Sprache</a> abgefasst wurde und einer der frühesten hethitischen Geschichtstexte überhaupt ist.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine jüngere Kopie stammt aus dem 14. Jh. v.&nbsp;Chr. Hinzu kommen drei Bruchstücke einer Kopie aus dem 13. Jh. v.&nbsp;Chr.
</p><p>Von Bedeutung ist auch ein Dolch, der in einem Palast in der Oberstadt von Kaniš-Neša gefunden wurde. Seine Inschrift, »Palast von König Anita«&nbsp;(<small>É.GAL</small> A-ni-ta ru-ba-im), weist den Palast und die bronzene Waffe als Besitz des Herrschers aus, wodurch bestätigt wird, dass Anitta tatsächlich König dieser Stadt war.
</p><p>Urkunden aus den altassyrischen Handelskolonien (<a href="Karum" title="Karum"><i>kārum</i></a>) in Kültepe (Kaniš) und <a href="Ali%C5%9Far_H%C3%B6y%C3%BCk" title="Alişar Höyük">Alişar Höyük</a> nennen ebenfalls den König Anitta, zudem dessen <i>rabi simmiltim</i> (oberste Beamte des hethitischen Hofes, wörtlich „Oberhaupt der Leiter“) Peruwa Kammaliya. Sein Vorgänger war nach Ausweis dieser Urkunden König Pitḫana, als dessen <i>rabi simmiltim</i> wiederum Anitta angegeben wird.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>

<p>Anitta war der Sohn von König <a href="Pit%E1%B8%ABana" title="Pitḫana">Pitḫana</a> von <a href="Ku%C5%A1%C5%A1ara" title="Kuššara">Kuššara</a>, einem regionalen Herrscher in <a href="Kleinasien" title="Kleinasien">Anatolien</a>. Pitḫana hatte die Stadt Neša erobert, die damals die wichtigste anatolische Handelsstadt war. Nachdem Anitta von seinem Vater die Herrschaft über Neša übernommen hatte, unternahm er mehrere siegreiche Eroberungszüge. Zuerst zog er gegen <a href="Zalpa" title="Zalpa">Zalpa</a>, dessen König Uḫna vorzeiten das Götterbild der Gottheit von Kaniš verschleppt hatte, die Anitta selbst <i>šiuš-šummiš</i> »unsere Gottheit«&nbsp;nannte. Anitta besiegte König Ḫuzziya von Zalpa und führte das Götterbild nach Kaniš zurück. Er besiegte auch König Piyušti von Ḫatti und belagerte <a href="%E1%B8%AAattu%C5%A1a" title="Ḫattuša">Ḫattuša</a>, das er dem Erdboden gleichmachte und Unkraut darüber säte. Die Stadtgöttin <a href="%E1%B8%AAalma%C5%A1uit" title="Ḫalmašuit">Ḫalmašuit</a> führte er nach Neša, wo er ihr einen Tempel stiftete. Die Zerstörung von Ḫattuša kann aus archäologischen Gründen um das Jahr 1728 v.&nbsp;Chr. datiert werden.<sup id="cite_ref-Guido_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Guido-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ḫattuša wurde offensichtlich bald wieder besiedelt, trotz des Fluches, den Anitta aussprach: „In der Nacht nahm ich die Stadt mit Gewalt, an ihrer Stelle säte ich Unkraut. Wer nach mir König wird und Ḫattuša wieder besiedelt, den soll der <a href="Tar%E1%B8%ABunna" title="Tarḫunna">Wettergott des Himmels</a> treffen.“
</p><p>Danach befestigte er seine Hauptstadt Neša, erbaute mehrere Tempel und richtete einen Zoo ein. Dann zog er mit 1400 Kriegern und 40 <a href="Streitwagen" title="Streitwagen">Streitwagen</a> gegen <a href="%C5%A0alatiwara" title="Šalatiwara">Šalatiwara</a>, das westlich des oberen <a href="Sakarya" title="Sakarya">Sakarya</a> lokalisiert werden kann.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nach der Unterwerfung dieses Königreiches kam ihm der König von <a href="Puru%C5%A1%E1%B8%ABanda" title="Purušḫanda">Purušḫanda</a> entgegen, der ihm als Geschenke ein eisernes Szepter und einen eisernen Thron gab. Diese Geste wird teilweise als Unterwerfung des Königs von Purušḫanda unter Anitta gedeutet, diskutiert wird aber auch, dass er mit diesen Geschenken Anitta als seinesgleichen anerkannte. Dieses Ereignis dürfte dazu geführt haben, dass Anitta als erster König von Kaniš den Titel „Großkönig“ annahm.
</p><p>Die altassyrischen Urkunden nennen zusammen mit Anitta noch Peruwa Kammaliya als seinen <i>rabi simmiltim</i>, womit dieser vermutlich als Sohn und Kronprinz Anittas betrachtet werden kann. Offenbar folgte aber dem Anitta nicht Peruwa, sondern Zuzzu als Großkönig von Kaniš. Da dieser auch König von Alaḫzina genannt wird, ist es möglich, dass er Kaniš eroberte und Anitta oder dessen Sohn besiegte.<sup id="cite_ref-Guido_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Guido-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verhältnis_zu_den_Hethitern"><span id="Verh.C3.A4ltnis_zu_den_Hethitern"></span>Verhältnis zu den Hethitern</h2></div>
<p>Anitta wird häufig als erster hethitischer Großkönig betrachtet. Dabei ist zu beachten, dass er in Kaniš-Neša residierte und nicht – wie die späteren hethitischen Großkönige – in Ḫattuša, das er völlig zerstört hatte. Bemerkenswert ist, dass <a href="%E1%B8%AAattu%C5%A1ili_I." title="Ḫattušili I.">Ḫattušili I.</a>, der die Königsresidenz nach Ḫattuša verlegte, sich „Mann aus Kuššara“ nannte, also der Stadt, wo Anittas Vater Pitḫana herrschte, weshalb angenommen wird, dass diese zu seinen Vorfahren gehören. Auch dass die Taten von Anitta im 16. Jahrhundert, wohl noch zur Zeit von Ḫattušili I., niedergeschrieben wurden, unterstützt die Annahme einer „Kuššara-Dynastie“.
</p><p>Da die Hethiter ihre Sprache selbst <i>nešili</i>, <i>nešumnili</i> u.&nbsp;ä. nannten, wird angenommen, dass Neša zum ursprünglichen Gebiet der Hethiter gehörte.
</p><p>Der Name Anitta kann etymologisch nicht erklärt werden, der Name seines Vaters Pitḫana gehört einer vorindogermanischen Sprachschicht an, da die Lautgruppe /tḫ/ im hethitischen Erbwortschatz nicht vorkommt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Trevor Bryce: <i>The Kingdom of the Hittites.</i> Oxford University Press 1998, S. 37–43. ISBN 0-19-924010-8.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Anitta?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Anitta</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://titus.uni-frankfurt.de/didact/idg/anat/hethbs.htm">Anitta-Text</a> bei Titus, Universität Frankfurt</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Jörg Klinger: <i>Der sogenannte Anitta-Text.</i> In: <a href="Gernot_Wilhelm" title="Gernot Wilhelm">Gernot Wilhelm</a>, <a href="Bernd_Janowski_(Theologe)" title="Bernd Janowski (Theologe)">Bernd Janowski</a> (Hrsg.): <i><a href="Texte_aus_der_Umwelt_des_Alten_Testaments" title="Texte aus der Umwelt des Alten Testaments">Texte aus der Umwelt des Alten Testaments</a>.</i> Neue Folge, Band 2: <i>Staatsverträge, Herrscherlisten und andere Dokumente zur politischen Geschichte.</i> Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2005, ISBN 3-579-05288-8, S. 139–141.</span>
</li>
<li id="cite_note-Guido-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Guido_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Guido_2-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Guido Kryszat: <i>Herrscher, Kult und Kulttradition in Anatolien.</i> AOF 35 (2008) 2, S. 210</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Gojko Barjamovic: <i>A Historical Geography of Anatolia in the Old Assyrian Colony Period.</i> Kopenhagen 2011, ISBN 978-87-635-3645-5.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Ilya S. Yakubovich: <i>Sociolinguistics of the Luvian Language.</i> Leiden 2010. ISBN 978-90-04-17791-8. S. 262</span>
</li>
</ol>
<table class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1" style="border-collapse:collapse; border-style:solid; margin-top: 1em; text-align:center; width:100%;"><tbody><tr style="vertical-align:bottom;"><th style="width:35%;">Vorgänger</th><th style="width:30%;">Amt</th><th style="width:35%;">Nachfolger</th></tr><tr style="vertical-align:top;"><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><a href="Pit%E1%B8%ABana" title="Pitḫana">Pitḫana</a> von Kuššara</td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><span style="font-weight:bold;">(Groß-)König von <a href="K%C3%BCltepe" title="Kültepe">Neša</a></span> <br>um 1730 v. Chr.</td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;">Zuzu von Alaḫzina</td></tr><tr style="vertical-align:top;"><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;">—</td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><span style="font-weight:bold;"><a href="Liste_der_hethitischen_Gro%C3%9Fk%C3%B6nige" title="Liste der hethitischen Großkönige">hethitischer Großkönig</a></span> <br>18. Jh. v. Chr.</td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;">Überlieferungslücke, danach <a href="Labarna_I." class="mw-redirect" title="Labarna I.">Labarna I.</a></td></tr></tbody></table>
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Normdaten&nbsp;(Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/131521594">131521594</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/no2004076171">no2004076171</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/51980638/">51980638</a></span> | </div>
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